Zulassungsbeschränkung für Hausverwalter

Immobilienboom: Entwicklung und mögliche Folgen

 

Wer bislang in Immobilien investierte, lag richtig. Das bestätigt der anhaltende Immobilienboom. Wie schon in den Jahren davor sind auch 2021 die Immobilienpreise gestiegen – und das zuletzt in Rekordgeschwindigkeit. Von Juli bis September 2021 gingen die Immobilienpreise laut Statistischem Bundesamt um 12 Prozent nach oben. Gleichzeitig liest und hört man jetzt häufiger von der Immobilienblase. Wohin die Entwicklungen gehen und welche Folgen das haben könnte, erfahren Sie hier.

 

Wann endet der Immobilienboom?

 

In letzter Zeit tauchen immer mal wieder – besonders in den gängigen Online-Magazinen für Finanzen wie der WirtschaftsWoche und dem Handelsblatt – Meldungen zum sogenannten Immobilienboom auf.

Viele Experten scheinen sich einig: Es wird in den kommenden Jahren zu deutlichen Preiskorrekturen im Immobiliensektor kommen. Das zumindest äußerte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DWI laut einem Bericht der „Zeit“ vom Dezember letzten Jahres. Dort heißt es:

Zitat:

„Die Zeichen mehren sich, dass die Wohnungspreise in einigen Städten und Marktsegmenten nicht mehr allein durch die Entwicklung der Mieten und die niedrigen Zinsen zu erklären sind … In den nächsten Jahren kann es dort zu Preiskorrekturen kommen, also zum Platzen von Immobilienpreisblasen.“

Für diese Prognose hatte der DWI die Daten von 114 großen deutschen Städten – darunter Hamburg, Berlin und München – ausgewertet und festgestellt, dass gegenüber den Kaufpreisen von Wohnimmobilien die Mieten im selben Zeitraum nur halb so stark angestiegen sind. Das deutet laut der Experten zunehmend auf Spekulationsblasen in den Metropolen hin.

Trotz der Überhitzung des Immobilienmarktes in den Ballungszentren der Republik hält das DWI die Gefahr einer flächendeckenden Immobilienblase zumindest für begrenzt, denn insgesamt seien die Häuser zumindest in Deutschland solide finanziert. Hinzu kommt laut der Experten die Tatsache, dass Angebot und Nachfrage sich zunehmend annähern.

Werden die Immobilienpreise weiter steigen

Die Deutsche Zentralbank prognostiziert nach dem Immobilienboom 2021 auch für 2022 einen weiteren Anstieg der Preise, besonders im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser. Allerdings käme es auch laut ihrer Meinung gleichzeitig durch ein eingeschränktes Bevölkerungswachstum und die steigenden Zahlen der Neubauten zu einer Dämpfung des Immobilien Booms.

Andere Experten, wie beispielsweise der Geschäftsführer des Grundeigentümer-Verbandes Ulf Schelenz, betrachten die derzeitige Entwicklung nicht als Immobilienblase. Laut seiner Meinung handelt es sich in Deutschland immer noch um „reale Immobilienpreise“, die am Markt auch tatsächlich gezahlt werden.

Dieser Aussage widerspricht die Bundesbank in Frankfurt. Laut ihren Berechnungen liegen die momentanen Preise von Wohnimmobilien etwa 10 bis 30 Prozent über dem durch Fundamentaldaten gedecktem Wert.

Für den Moment sind die Experten sich allerdings einig: Derzeit wird der Immobilienboom nicht enden.

Der Immobilienboom hat sich verlagert

Auch wenn in deutschen Metropolen die Corona-Pandemie für etwas Entspannung auf dem Wohnimmobilienmarkt gesorgt hat, verlagert sich die weiter steigende Nachfrage nach Wohnimmobilien im Grunde nur von den Stadtzentren auf die Stadtrandgebiete und ländlichen Regionen. Dafür sorgen unter anderem die vermehrten Home-Office-Möglichkeiten – zum einen bedingt durch Corona und zum anderen durch die zunehmende Digitalisierung von Büro-Arbeitsplätzen. Die Menschen können vermehrt von Zuhause arbeiten, das macht das Wohnen auf dem Land wieder attraktiv.

Weitere Preistreiber des Immobilienbooms

Hinzu kommen als weiterer Preistreiber die stark steigenden Baupreise. Höhere Energiekosten und steigende Löhne sind hier der Hauptgrund für den Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt. Baustoffe konnten in den letzten Monaten die größten Preissprünge der vergangenen 10 Jahre verzeichnen und haben sich in einigen Bereichen sogar verdoppelt. All das führt zu einem konstanten Immobilien Boom.

 

Welchen Einfluss hat der Immobilienboom auf die Zinsentwicklung?

 

Viele Fachleute auf dem Finanz- und Immobiliensektor rechnen damit, dass sich die derzeit noch günstigen Immobilienkredite in diesem Jahr verteuern werden. So sieht das auch die Interhyp – Deutschlands größter Vermittler privater Baufinanzierungen. Diese hat zum Jahresbeginn 10 Kreditinstitute nach den Immobilienzinsen befragt, mit dem Ergebnis: Alle Banken erwarten eine Steigerung der Immobilienzinsen – einige legen sich sogar auf konkrete Zahlen fest und sprechen von einem Anstieg von 0,25 bis 0,5 Prozentpunkten.

Wann platzt die Immobilienblase?

Der Makroökonom der Deutschen Bank – Jochen Möbert – hat sich bereits letztes Jahr mit einer Prognose zu Wort gemeldet: Laut seinen Aussagen wird die Immobilienblase 2024 platzen.

Der Finanzexperte hält auch dieses Jahr weiterhin an seiner Voraussage fest und ist nach wie vor überzeugt, dass der Preisgipfel auf dem Immobilienmarkt in den kommenden Jahren erreicht sein wird. Deutliche Anzeichen dafür sind laut Möbert im Regierungsprogramm der neuen Bundesregierung zu finden.

 

Immobilienboom und die soziale Spaltung im Land

 

 Dass der Immobilienboom für eine wachsende soziale Spaltung im Land sorgt, ist daran zu erkennen, dass für immer mehr Menschen aufgrund der aktuellen Preisanstiege bei Wohnimmobilien die Aussicht auf die eigenen vier Wände deutlich geringer wird. Die Corona-Pandemie trägt einiges dazu bei, dass sich viele Haushalte kaum noch die Mieten für eine Wohnung leisten können. Die Verlierer des Immobilienbooms sowohl bei den Eigentumsimmobilien als auch bei den Mietimmobilien sind die Haushalte mit unterem und mittlerem Einkommen.

Gaben beispielsweise die Deutschen mit geringem Einkommen im Jahr 2013 etwa 27 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus, waren es 2019 bereits 39 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt der Mietanteil bei den Besserverdienenden gerade mal bei 14 Prozent ihres Einkommens.

Wann sinkt die Nachfrage nach Immobilien?

Die Nachfrage nach Immobilien sinkt immer dann, wenn die Kosten für Bauherren steigen und das Einkommen der Menschen sich verringert. Auch steigende Zinsen haben einen bremsenden Effekt auf das Interesse an Immobilien.

Wächst die Bevölkerung, steigt die Nachfrage an Immobilien. Wie bereits erwähnt kommen in nächster Zeit allerdings die sogenannten geburtenschwachen Jahrgänge auf uns zu, was weniger Menschen im Land bedeutet. Das könnte zu einer sinkenden Nachfrage führen.

Anders sieht man das in einer Studie der Uni Freiburg und Schwäbisch Hall aus dem Jahr 2020 (1). Laut dieser soll der Immobilienboom bis 2030 anhalten und in begehrten Lagen wird er sogar bis ins Jahr 2060 vorausgesagt. Die Autoren begründen diese Entwicklung trotz sinkender Bevölkerungszahlen mit dem Trend hin zu den kleineren Haushalten und der andauernden Zuwanderung.

Eignen sich Immobilien momentan als langfristiger Inflationsschutz?

Für Besserverdiener stellt sich die Frage nach einem langfristigen Inflationsschutz durch den Kauf von Anlageimmobilien. Faktoren, welche für den Kauf von Immobilien als Anlageobjekt sprechen sind zum einen das Niedrigzinsumfeld und zum anderen die Befürchtung, dass die derzeitige Inflationsrate länger andauern könnte.

Der Immobilienboom sorgt dafür, dass die Anleger weiterhin mit steigenden Einnahmen durch Anlageimmobilien rechnen und ein Werteverfall nicht für möglich halten.

Das betrifft nicht nur vermietete Objekte, sondern auch die Häuser von Eigennutzern, die nach einem späteren Verkauf mit einem deutlichen Gewinn rechnen könnten.

 

Fazit:

 

Es gibt Anzeichen dafür, dass der anhaltende Immobilienboom in einer platzenden Immobilienblase enden könnte. Ebenso gibt es ausreichend Experten, die nur von regionalen Blasen sprechen und somit die Entwicklung eher entspannt betrachten.

Im Grunde kann jedem interessierten Laien nur empfohlen werden, den Aussagen der Experten weiter zu folgen und den Immobilienmarkt zu beobachten, um nicht unverhofft von einer platzenden Immobilienblase überrascht zu werden.